Der Großteil der über 1,8 Millionen in Eigenheimen installierten Batteriespeicher, darunter mittlerweile auch einige, die an Steckersolargeräten (SSG) betrieben werden, lädt frühmorgens, sobald Solarstromüberschüsseanfallen. Was dabeiproblematisch ist: Der Batteriespeicher ist anwolkenlosen Tagen bereits im Laufe des Vormittags vollständiggeladen. Anschließend werden die gesamten Solarstromüberschüsse in das Netz eingespeist.
Damit der Heimspeicher bestmöglich zur Energiewende beiträgt, sollte er die solare Einspeisespitze zur Mittagszeit reduzieren.Nun kann man nicht verlangen, dies unter Beachtung von Wettervorhersagen jeweils händisch einzustellen. Hierfür gibt es so genannte Home Energy Mangement Systeme (HEMS), die die Stromflüsse im Haus regeln können unter Beachtung des bestehenden Verbauchs, des vorgegebenen geplantes Verbrauchs, der Wetterbedingungen, der Netzbelastung im Zusammenhang mit einem Smart Meter des Netzbetreibers sowie der Strompreise an der Börse (dynamische Tarife).
Die Stromnetzbetreiber könnten so mehr Photovoltaikanlagen in das bestehende Netz integrieren. Der Knackpunkt: Viele private Betreiber:innen kennen die Vorteile dieser intelligenten Batterieladung ihrer Heimspeicher nicht und haben sie daher nicht aktiviert (siehe Abb.1).
Abb 1 ― Intelligente Heimspeicher fangen die Solarstromspitzen ab, noch bevor sie in das Netz gelangen. Das macht im Stromnetz Platz für weitere neue Photovoltaikanlagen (© HTW-Berlin)
Prognosebasierte Ladestrategien machen den Batteriespeicher wirtschaftlicher
Intelligente Energiemanagementstrategien verzögern die Batterieladung mithilfe von Solarstromprognosen. Das reduziert die Standzeiten bei hohen Ladezuständen, was die Lebensdauer von Lithium-Ionen-Batterien um durchschnittlich 2 Jahre verlängert. Bei einem10-Kilowattstunden-Stromspeicher erhöht die zusätzliche Betriebszeit die Kosteneinsparung um mindestens 800 Euro
Mittags ladende Solarstromspeicher entlasten das EEG-Konto
Durch den verzögerten Beginn der Batterieladung speisen Photovoltaik-Batteriesysteme mit prognosebasiertem Energiemanagement vermehrt in den Vormittagsstunden Strom in das Netz ein. Also genau dann, wenn die Stromnachfrage und damit die Erlöse an der Strombörse in Deutschland höher sind als zur Mittagszeit. Simulationsanalysen zeigen, dass die intelligente Ladung zur Mittagszeit den mittleren Marktwert des eingespeisten Solarstroms im Jahr 2024 um 28 Prozent steigerte. Je höher der Marktwert einer Kilowattstunde Solarstrom ist, desto weniger wird das EEG-Konto und letztlich der Steuerzahler belastet. Insgesamt sieben Hersteller folgten unserer Einladung und unterstützen die Initiative: E3/DC, FENECON, KOSTAL, RCT POWER, SMA, SONNEN und TESVOLT. Die Unternehmen FENECON und RCT POWER liefern ihre Heimspeichersysteme sogar seit mehreren Jahren mit einem prognose-basierten Ladeverfahren aus, das standardmäßig aktiviert ist. Aufder Webseite „So aktivierst du die prognosebasierte Batterieladung“der HTW Berlin finden Interessierte alle Informationen, um die prognosebasierte Batterieladung ihrer Heimspeicher zu aktivieren (Textquelle: sfv)
Netzdienlicher Betrieb von SSG-Speichern
Weil Speicher an Steckersolargeräten (SSG) eine immer stärkere Verbreitung finden und immer größere Kapazitäten von über 10 kWh ermöglichen, sind auch diese für die Netzdienlichkeit im Focus und eigentlich, insbesondere bei AC-Kopplung, gar nicht mehr unterschiedlich zu Heimspeichern für PV-Dachanlagen.
Wenn sie ins Heimnetz (HEMS) eingebunden sind, können sie wie die Heimspeicher agieren. Ansonsten wären einfachere Lösungen zu favoritisieren, wie sie in der Begründung der Petition zur Netzdienlichkeit von Kleinspeichern beschrieben sind:
Vereinfachte Energiemessung (Smart Meter light)
Für viele Wohnungen und Haushalte ohne größere Erzeugungsanlagen oder steuerbare Verbraucher oder niedrigem Stromverbrauch ist ein Smartmeter (Intelligentes Messystem mit Smart-Meter-Gateway und
Steuerbox) nicht kosteneffizient und technisch zu komplex.
Um Kleinspeicher und intelligente Verbraucher netzdienlich nutzen zu können, ist eine zeitgenaue Erfassung des Verbrauchs jedoch notwendig. Für solche Haushalte wäre eine moderne Messeinrichtung
mit vereinfachter Datenkommunikation ohne Rückkanal, effizienter und günstiger. Zudem kann damit ein beschleunigter Rollout erreicht werden. BSI und BNetzA sollten daher die Nutzung solcher
“Smartmeter Light” für diese Anwendungen zulassen.
Strompreis-Transparenz
Netzentgelte, Steuern und Umlagen sind aktuell nicht transparent verfügbar. Um sie zur netzdienlichen Verwendung von Kleinspeichern nutzen zu können, müssen sie durch die BNetzA zentral,
transparent und automatisiert abrufbar sein, bspw. über die Plattform smard.de, um sie für autonomes Energiemanagement nutzen zu können.
Wünschenswert wäre auch eine Verpflichtung von Anbietern dynamischer Stromtarife zu einer einheitlichen API ihrer Tarife, damit diese innerhalb netzdienlicher Speicher besser nutzbar.